“The gift that blessed the giver“ umschrieb ein amerikanisches Magazin die Entstehungsgeschichte des Hauses
Käthe Wohlfahrt.
Im März des Jahres 1964 legte mein Vater Wilhelm Wohlfahrt gemeinsam mit meiner Mutter Käthe den Grundstein
für das Familienunternehmen Käthe Wohlfahrt.
Doch geht der eigentliche Anfang unserer Firmengeschichte auf das Weihnachtsfest im Jahre 1963 zurück, als uns
eine befreundete amerikanische Offiziersfamilie zu Hause besuchte.
Die größte Faszination ging dabei von einer erzgebirgischen Weihnachtsspieldose aus, einem Erinnerungsstück
meiner Eltern an ihre sächsische Heimat, die sie bei ihrer Flucht im Jahre 1956 mitgenommen hatten.
In der Weihnachtszeit hatte sie ihren festen Platz bei uns im Wohnzimmer und wir Kinder konnten es kaum erwarten,
wenn unsere Eltern sie ab und zu für uns spielen ließen. Mit heller Begeisterung und großen Kinderaugen folgten wir
den gedrechselten Holzfigürchen der Heiligen Drei Könige, wenn sie sich bei der Melodie „Stille Nacht“ um die Krippe
mit dem Jesuskind drehten.
Es war diese Weihnachtsspieldose, die das gleiche Entzücken auch bei den amerikanischen Freunden
hervorrief. Das wäre natürlich das richtige Geschenk für die Freunde gewesen, dachte mein Vater und so machte er
sich deshalb nach Weihnachten sofort auf die Suche nach einer weiteren Spieldose. Doch alle Geschäfte hatten ihre
Weihnachtsware schon weggepackt, um Platz für Silvester- und Neujahrsartikel zu machen. Erst im Februar des
folgenden Jahres fand er einen Großhändler, der noch Spieldosen auf Lager hatte. Jedoch sollte er mindestens
zehn Stück abnehmen, da ihn der Großhändler ansonsten nicht beliefern wollte. Kurz entschlossen griff er zu
und schenkte eine davon seinen amerikanischen Freunden, die sich riesig über dieses nachweihnachtliche
Geschenk freuten. Als sie dann aber von den Umständen hörten und wie schwierig es gewesen war, nach dem
Weihnachtsfest eine solche Spieldose zu bekommen, halfen sie spontan beim Verkauf der verbliebenen neun.
Auf Anraten der befreundeten Familie ging mein Vater in der amerikanischen Kaserne von Haus zu Haus.
Dort gelang es ihm, sechs Spieldosen zu verkaufen, bis ihn die Militärpolizei in Gewahrsam nahm;
denn Haustürgeschäfte waren nicht erlaubt ...
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